Bis 31. Dezember 2017 . Aktion . Finnland . Mehr Rechte für Trans*Menschen!

UNTERSTÜTZE MUTIGE MENSCHEN WIE SAKRIS UND FORDERE DIE FINNISCHE REGIERUNG AUF, VERTEIDIGER*INNEN VON TRANS*RECHTEN ZU UNTERSTÜTZEN.
Die Regierung muss dafür sorgen, dass der Prozess der Angleichung des legalen Geschlechts auf Ausweisdokumenten für Trans*Menschen schnell sowie leicht zugänglich erfolgt und die Menschenrechte respektiert.

„Mein Name ist Sakris Kupila. Ich bin ein 21-jähriger Medizinstudent aus Finnland. Ich war noch ein Teenager, als ich erkannte, dass ich transgender bin, also das Geschlecht, was mir bei der Geburt zugeschrieben wurde, nicht die Wahrheit über mich aussagt.

Ich habe jahrelang gekämpft – unglücklich und zurückgezogen – und versucht herauszufinden, wie ich in einer Welt aufwachsen soll, die versuchte, mich in eine komplett falsche Rolle zu drängen. Ein paar Jahre nach der ersten Erkenntnis folgte eine weitere: Ich würde nicht in der Lage sein, ein Leben ohne Transition (Anm. Red.: Angleichung des legalen Geschlechts und/oder geschlechtsangleichende Maßnahmen) zu führen, ohne damit zu beginnen, endlich auf eine Weise zu leben, die sich für mich natürlich und komfortabel anfühlt.

Das gegenwärtige Gesetz zur Anerkennung des legalen Geschlechts verlangt jedoch, dass eine Person über 18 Jahre alt sein muss und sich einer psychiatrischen Diagnose stellen soll. Außerdem muss die Person sterilisiert oder unfruchtbar sein. Ich bin nicht unfruchtbar und ich will es nicht sein.

Ich erinnere mich an den Moment, als ich erkannte, dass ich unfruchtbar sein muss, damit ich mein legales Geschlecht angleichen kann. Es war niederschmetternd und ich war lediglich ein Kind. Ich wusste nun, dass ich, wenn es nach der Regierung geht, nicht das Recht haben darf, Kinder zu bekommen. Es fühlte sich furchtbar an. Ich fühlte mich fremdartig, wie ein Freak. Ich fühlte mich als Unmensch kategorisiert aufgrund meiner Geschlechtsidentität. Ich fühlte mich krank.

Aufgrund meiner Arbeit zur Verteidigung der Rechte für Trans*Menschen habe ich Belästigung, Einschüchterung, Androhungen von Gewalt und offene Feindseligkeit erfahren, was mich dazu zwang, mein Studium ein Jahr lang zu unterbrechen.“

Setze dich für Sakris ein und unterstütze die Forderungen nach einem schnellen und respektvollen Zugang zur Angleichung des legalen Geschlechts auf Ausweisdokumenten.

Fordere die finnische Regierung auf:

  • Sicherzustellen, dass Sakris Kupilas Geschlecht rechtlich anerkannt wird, ohne dass er sich einer Sterilisierung, sonstigen medizinischen Eingriffen, oder einer psychiatrischen Diagnose unterziehen muss;
  • Das Transsexuellengesetz zu überarbeiten, sodass die Änderung des rechtlichen Geschlechts ohne die Voraussetzungen einer Sterilisierung, sonstiger medizinischer Eingriffe oder einer psychiatrischen Diagnose möglich ist;
  • Ein Verfahren für die Änderung des rechtlichen Geschlechts zu entwickeln, das transparent und für alle unabhängig von Alter, medizinischem und finanziellem Status zugänglich ist, und das ohne zeitliche Verzögerung die Selbstbestimmung über das eigene Geschlecht ermöglicht;
  • Trans* Rechte anzuerkennen und zu unterstützen, und Sorge zu tragen, dass sie von Aktivist_innen wie Sakris risikolos verteidigt werden können.

Beispielbrief auf Deutsch an den Premierminister
Petition auf
Deutsch an den Premierminister
Petition auf Deutsch an die Gesundheitsministerin

Beispielbrief auf Englisch an den Premierminister
Petition auf Englisch an den Premierminister
Petition auf Englisch an die Gesundheitsministerin

Online-Petition auf Englisch

Schreibe einen Brief, eine E-Mail oder drucke dir die Petition aus und schicke sie an:

Prime Minister Juha Sipilä
Finnish Government
PL 23, 00023 Valtioneuvosto
Finland
Juha.sipila@vnk.fi

(Anrede: Sehr geehrter Premierminister / Dear Prime Minister)

und

Annika Saarikko
Minister of Social Affairs and Health
Meritullinkatu 8
P.O Box 33
00023 Valtioneuvosto
Finland
Juha.Rehula@eduskunta.fi

(Anrede: Sehr geehrter Minister Juha Rehula / Dear Minister Juha Rehula)

Schicke außerdem eine Kopie deines Briefes, deiner E-Mail oder der Petition an die finnische Botschaft:

Botschaft von Finnland
Rauchstraße 1
10787 Berlin
info.berlin@formin.fi

Hintergrundinformationen:

2014 publizierte Amnesty International den Bericht „The State Decides Who I Am: Lack of Gender Recognition for Transgender People in Europe“, der den Mangel an Rechten für Trans*Menschen in Europa dokumentiert.
Gemäß des „Gesetzes zur legalen Anerkennung des Geschlechts von Transsexuellen“ (TransAct) kann in Finnland der Vermerk des bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts im Bevölkerungsinformationssystem nur dann verändert werden, wenn ein*e Antragssteller*in ein medizinisches Gutachten vorlegt, das zertifiziert, dass sie*er den Wunsch hat, permanent dem gegenteiligen Geschlecht anzugehören, in der entsprechenden Geschlechtsrolle lebt und sterilisiert wurde oder „aus einem anderen Grund unfruchtbar ist“. Das Gesetz beschränkt den möglichen Zugang zur Anerkennung des legalen Geschlechts auf Individuen die mindestens 18 Jahre alt sind. Der ganze Prozess kann mehr als drei Jahre dauern.

Die Forderung unverheiratet zu sein, wurde am 1. März 2017 aufgehoben, als das Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe in Kraft trat.

Ein individueller Identitätscode, der finnischen Bürger_innen bei Geburt zugewiesen wird, weist immer auch auf das Geschlecht hin, das bei der Geburt zugeschrieben wurde – die letzte Zahl des Codes ist immer gerade bei Frauen und ungerade bei Männern. Alle persönlichen Dokumente, inklusive des Passes und des Personalausweises, aber auch weniger offizielle Dokumente wie Bibliotheksausweise, werden auf der Basis dieser Informationen ausgestellt.

Der Identitätscode wird benötigt, wenn Unterstützungsleistungen wie Pensionen beantragt werden oder für die Auszahlung von Gehältern. Es ist deshalb für Trans*Menschen extrem wichtig, dass der Identitätscode mit ihrer eigenen Geschlechtsidentität übereinstimmt, so dass sie nicht gezwungen werden, sich als Trans* zu outen, wann immer sie aufgefordert sind, ihren persönlichen Identitätscode preiszugeben.

Aktuelle medizinische Forderungen im TransAct

Eine psychiatrische Diagnose wird verlangt, um Zugang zu einer spezifischen Gesundheitsversorgung für Trans*Menschen zu erhalten und zur Angleichung der Geschlechtsmarker auf offiziellen Dokumenten. Der Diagnoseprozess kann bis zu einem Jahr andauern. Viele Menschen betrachten die Notwendigkeit der Diagnose zu ihrer mentalen Gesundheit als stigmatisierend. Um Zugang zur Anerkennung des legalen Geschlechts und einer entsprechenden Gesundheitsversorgung zu erhalten, ist die spezifische Diagnose der „Transsexualität“ notwendig. Andere Diagnosen ermöglichen keinen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung oder letztendlich der Anerkennung des gesetzlichen Geschlechts. Zum Beispiel werden Trans*Menschen, die nicht der binären Geschlechtereinteilung von männlich und weiblich entsprechen, nicht mit „Transsexualität“ diagnostiziert, sondern mit einer „anderen Störung der Geschlechtsidentität“, was sie vom Zugang zu einer Geschlechtsanerkennung ausschließt.

Nach der Diagnose muss die Person einen „Alltagstest“ durchlaufen, in welchem sie*er beweisen muss, dass sie*er entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität für die Dauer eines Jahres lebt, ohne Dokumente, die der eigenen Geschlechtsidentität entsprechen. Dieser Test wurde vom CEDAW-Ausschuss (UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau) dafür kritisiert, stereotypische Geschlechtsrollen zu fördern. Diesen Test muss Sakris 2017 durchleben.

Die letzte Forderung ist eine Sterilisation, was bedeutet, das viele Trans*Menschen sich gegen ihre Wünsche einer unumkehrbaren medizinischen Behandlung unterziehen müssen, für den einzigen Zweck eine gesetzliche Anerkennung ihres Geschlechts zu erlangen.

Foto: Sakris Kupila © Amnesty International